Erstmals in der Geschichte des europäischen Fussballverbandes ist ein amtierender Präsident in einer Kampfabstimmung entthront worden. 27 Verbände sprachen sich beim 16. Uefa-Kongress in Düsseldorf für Platini aus; 23 gaben die Stimme dem bisherigen Vorsitzenden Lennart Johansson.
Johansson (77), der die Uefa seit 1990 präsidierte und in seiner 17-jährigen Amtszeit die wirtschaftliche Hausse mit der Einführung der Champions League eingeleitet hatte, wurde nach seiner Abwahl auf Vorschlag Platinis zum Ehrenpräsidenten ernannt.
Bekenntnis zur Solidarität im Sport
In einer sehr emotionalen Wahlrede hatte dem 51-jährigen Franzosen am Ende sogar die Stimme versagt: «Wir halten einen Schatz in unseren Händen: die beliebteste Sportart weltweit. Ich möchte diesen Schatz verteidigen, dass er zum Wohle aller gedeiht. Die Starken müssen den Schwachen helfen. Fussball ist ein Spiel, kein Produkt, ist Sport, kein Markt, zunächst ein Spektakel und kein Geschäft.»Auf dem Weg zum Mikrofon gab Frankreichs ehemalige Nummer 10 freundschaftlich seinem Gegenkandidaten einen Klaps. Vor der Bekanntgabe des Ergebnisses redeten die beide Bewerber auf dem Podium entspannt miteinander.
Mehrheit für den Kandidaten mit Reformwillen
Platinis akribisch vorbereiteter langer Wahlkampf trug Früchte. «Platoche» hatte schon vor knapp zwei Jahren seine Kandidatur angekündigt und reiste zu zahlreichen Mitgliedsverbänden, um für seine Vision des europäischen Fussballs zu werben.Platini hatte ganz auf die kleinen Verbände gesetzt und sich für grössere Solidarität stark gemacht. Die Mehrheit votierte schliesslich für den Reformer Platini. «Das Geld, das sie erhalten, ist kein Gefallen. Es ist ihr Recht, es zu erhalten», sagte der Europameister von 1984.
Mehr Champions-League-Plätze für kleinere Verbände?
Im Gegensatz zu Johansson wird Platini seinen Wohnsitz an den Hauptsitz der Uefa nach Nyon verlegen. Er wird nach eigenem Bekunden in das Tagesgeschäft eingreifen.Zudem will sich der Franzose dafür einsetzen, den grossen Verbänden künftig nur noch maximal drei statt vier Plätze in der Champions League zuzugestehen. Damit erhöht sich die Chance für kleinere Nationen wie die Schweiz, regelmässiger einen Teilnehmer in der Königsklasse stellen zu können.


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